GESUNDHEIT
Wenn Körperwahrnehmung zur Therapie wird
Manchmal beginnt echte Veränderung dort, wo wir aufhören, uns anzustrengen.
Wir leben in einer Welt, die stark auf Output fixiert ist. Schon früh lernen wir, Leistung zu erbringen, Deadlines einzuhalten und über die eigenen Grenzen zu gehen. Das bleibt nicht ohne Folgen für den Körper. Der Großteil des Alltags vieler Menschen spielt sich außerdem im Sitzen ab, geprägt von einseitigen Belastungen und Bewegungsmangel. Vielfach geht auch die unmittelbare Beziehung zu unserem Körper verloren, die feine Körperwahrnehmung dafür, wie wir sitzen, stehen, gehen und atmen, und vieles fällt uns erst auf, wenn etwas nicht mehr funktioniert. »Ganz typisch sehen wir in der Praxis Schulter- und Nackenbeschwerden, Hüftprobleme oder Schmerzen in der Lendenwirbelsäule und den Knien«, beobachtet Julia Kovacs, Physiotherapeutin im Park Igls Medical Spa Resort. Meist handle es sich dabei nicht um isolierte Probleme, sondern um eine Kettenreaktion: »Viele Menschen entwickeln über die Jahre Gewohnheiten, Ausweichbewegungen oder Schonhaltungen, die den gesamten Körper beeinflussen – eine eingeschränkte Hüfte kann sich auf den Rücken auswirken, ein verspannter Nacken auf die Schultern.« Der Körper denkt nicht in einzelnen Regionen, er organisiert sich als Ganzes. Dabei verfügt er über eine erstaunliche Intelligenz und weiß oft genau, was ihm guttut, nur hören wir nicht mehr genau genug hin. »Grundsätzlich hat man intuitiv immer eine gute Idee, kreist zum Beispiel die Schultern bei Verspannungen«, sagt Kovacs. Erst wenn Schmerzen dazukommen, beginnt die Unsicherheit: Bewegungen werden vermieden, der Handlungsspielraum wird kleiner.
Auf der anderen Seite begegnet uns auch Bewegung heute häufig als Leistungsversprechen: mehr Kraft, mehr Ausdauer, mehr Effizienz. Die Logik dahinter scheint vertraut: Wer sich verbessern will, muss mehr tun. Dabei wäre es wichtig, dem Körper und dem Nervensystem die nötigen Ruhepausen zur Regeneration zu gönnen und Raum für achtsame Bewegung zu schaffen. Dass Kraft und Dynamik nicht im Widerspruch zu Sanftheit stehen müssen, weiß Julia Kovacs aus eigener Erfahrung. Sie praktiziert leidenschaftlich Taekwondo, einen Sport, der von präziser Kontrolle, Routine und taktischer Sauberkeit lebt. Doch eine der prägendsten Erfahrungen in Sachen Bewegung machte sie fernab der Kampfkunst während eines Praktikums, als sie zum ersten Mal mit der Feldenkrais®-Methode in Berührung kam. »Eine Therapeutin mobilisierte einen schwer kranken Patienten mit faszinierender Leichtigkeit. Sie gab dem Menschen durch ganz simple Bewegungen und feine Impulse seine Selbstwirksamkeit zurück«, erinnert sie sich.
Im Park Igls Medical Spa Resort wird die Feldenkrais®-Methode von erfahrenen PraktikerInnen wie Max Stangl gelebt und gelehrt.
Raum für achtsame Bewegung
Auf den ersten Blick wirkt die Feldenkrais®-Methode beinahe unscheinbar. Keine schweißtreibenden Übungen, keine spektakulären Positionen, stattdessen: langsame, bewusste Bewegungen, oft im Liegen, manchmal so klein, dass sie von außen kaum sichtbar sind. »Feldenkrais® versteht sich als Lernmethode«, beschreibt Max Stangl, Feldenkrais®-Therapeut im Park Igls Medical Spa Resort. Anders als klassische Trainingsformen verfolgt das Konzept nicht das Ziel, Muskeln aufzubauen oder die Ausdauer zu steigern. Vielmehr wird sich mit der Frage beschäftigt, wie Bewegung organisiert wird, damit sie leichter wird.
Stangls eigener Weg zur Methode führte ausgerechnet über den Sport. Als Sportwissenschaftler beschäftigte ihn lange die Frage, wie Menschen schneller, stärker und leistungsfähiger werden. Irgendwann bemerkte er, dass es einen Punkt gab, an dem es für ihn selbst nicht mehr weiterging. Dazu kam eine Verletzung. Während der Rehabilitationsphase begann er mit minimalen, somatischen Übungen, sich Schritt für Schritt zurück in die Aktivität zu arbeiten, und war überrascht, wie schnell und spürbar die sogenannte Feldenkrais®-Wirkung einsetzte.
So Max Stangl:
»Weniger ist oft mehr«
Der Satz klingt beinahe wie ein Gegenentwurf zu unserer Zeit. Tatsächlich geht es bei Feldenkrais® nicht darum, Bewegungen möglichst perfekt auszuführen, sondern darum, sie zu erforschen. Deshalb werden die Übungen in der Regel nicht vorgemacht, die Teilnehmenden sollen ihre eigenen Lösungen finden. »Wir schaffen den Rahmen, in dem jemand selbst herausfinden kann, was ihm guttut und für ihn funktioniert«, beschreibt es Stangl. Die meisten unserer Bewegungen sind nicht bloß Mechanik; sie sind ein Ausdruck dessen, wie wir gelernt haben, mit uns selbst umzugehen. Viele dieser Bewegungsmuster werden mit der Zeit unsichtbar, weil sie zur Gewohnheit geworden sind.
»Stellen Sie sich vor, jemand würde Sie über einen längeren Zeitraum ständig in den Arm zwicken. Irgendwann würde dieser Schmerz völlig normal erscheinen. Erst wenn er verschwindet, wird spürbar, wie angenehm und fein es eigentlich sein könnte.« Feldenkrais® macht Gewohnheiten sichtbar – nicht indem etwas als richtig oder falsch bewertet wird, sondern indem Alternativen erfahrbar werden.
Julia Kovacs ist Physiotherapeutin im Park Igls Medical Spa Resort und Taekwondo-Expertin.
Auch Julia Kovacs hat die Feldenkrais®-Methode am eigenen Körper erfahren. Durch einfache Bewegungen wurde ihr bewusst, wie eingeschränkt ihre Brustwirbelsäule war. Nicht durch Kraft, sondern durch Körperwahrnehmung gewann sie Beweglichkeit zurück. Diese Erfahrung begleitet sie bis heute, und letztlich landet man auch in der dynamischen Kampfkunst des Taekwondo irgendwann bei denselben Fragen wie bei Feldenkrais®: Wie fühlt sich die Bewegung an? Woher kommt Präzision? Warum ist weniger manchmal mehr? Wenn man weiß, dass Begründer Moshé Feldenkrais selbst Judoka war, überrascht das eigentlich wenig.
Feldenkrais® schult die Aufmerksamkeit für sich selbst
Dieser Ansatz fügt sich im Park Igls wie selbstverständlich in die Moderne Mayr-Medizin ein. Wie bewusstes Essen oder achtsames Kauen die Wahrnehmung für den eigenen Körper schärfen, lädt auch die Feldenkrais®-Methode dazu ein, Gewohnheiten zu hinterfragen und neue Möglichkeiten zu entdecken. »Es geht um Optionen«, sagt Max Stangl. »Wenn ich nur eine Möglichkeit habe, werde ich immer dieselbe wählen. Sobald sich mehrere Möglichkeiten bieten, entsteht Freiheit.« So beginnt ein neues Körpergefühl oft nicht mit der großen Veränderung, sondern mit einer kleinen Bewegung, die plötzlich leichter wird.
MOSHÉ FELDENKRAIS (1904–1984)
... war ein israelischer Physiker, Ingenieur und Judolehrer. Nach einer schweren Knieverletzung begann er, sich intensiv mit Bewegung und Körperwahrnehmung auseinanderzusetzen. Daraus entstand die nach ihm benannte Feldenkrais®-Methode. Sie hilft Menschen dabei, ihre Bewegungen bewusster wahrzunehmen und dadurch leichter, effizienter und oft schmerzfrei zu machen. Die Methode geht davon aus, dass Bewegung, Wahrnehmung, Fühlen und Denken eng miteinander verbunden sind. Durch sanfte, achtsame Bewegungsübungen können eingefahrene Bewegungsmuster erkannt und neue Möglichkeiten entdeckt werden – ganz nach dem Prinzip, dass das Gehirn ein Leben lang lern- und anpassungsfähig bleibt.
Die Feldenkrais®-Methode im Park Igls
Wer selbst erste Erfahrungen sammeln möchte, kann im Park Igls die Feldenkrais®-Methode im Rahmen einer individuellen Feldenkrais®-Therapie selbst erleben.